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Wetterauer Zeitung - Der Aufenthalt im Knast schreckt ab

Friedberg (jw). "Wir meinen, ernst." Die Bekämpfung der Jugendkriminalität bleibt für Ministerpräsident Roland Koch (COU) weiterhin eines der wichtigsten politischen Themen. Dies bekräftigte der hessische Regierungschef gestern bei einem Besuch in der Jugendarrestanstalt (JAA) Friedberg.

Im Landtagswahlkampf sorgte das Thema für Aufregung, nachdem Koch in der Boulevardpresse damit zitiert worden war, er wolle auch "Kinder in den Knast" stecken. Koch bezeichnete dies vor einer großen Zahl von Pressevertretern gestern als "Verleumdung" es sei damals lediglich diskutiert worden, über welches Instrumentarium im Jugendstrafrecht der Staat bei Kindern unter 14 Jahren verfügt. Der Jugendarrest, der erst ab 14 Jahren verhängt wird, ist nach Ansicht einiger Insassen der JAA ein durchaus taugliches Instrument. "Das bringt was, die Arbeitsauflagen bringen nichts", sagte ein 20-jähriger Arrestant im Gespräch mit Koch, der sich bei einem Rundgang über die Arbeit und die Freizeitangebote in der JAA informierte.

Die Haftanstalt In Friedberg, eine Außenstelle der Justizvollzugsanstalt in Rockenberg, wurde zum 1 April dieses Jahres in eine JAA umgewandelt.
Dadurch wurden die Platze für Jugendarrest verdoppelt. Wie der Vollstreckungsleiter und Richter Dr. LaTS Willeck sagte, verbüßten in den ersten drei Monaten 321 junge Männer von 14 bis 21 Jahren Freizeit- und Kurzzeit-Arreste; erstere erstrecken sich von freitags bis sonntags, letztere dauern zwischen zwei und vier Tagen. Seit dem 1. Juli werden in Friedberg auch Dauerarrestanten aufgenommen, die ein bis vier Wochen einsitzen.

60 Plätze gibt es In den JAA, 30 sind zurzeit belegt. Ein Viertel der Arrestanten hat einen ausländischen Pass, rund die Hälfte einen Migrationshintergrund.
Drei Wochen dauert es in der Regel, bis ein jugendlicher Straftäter nach einer Verurteilung seinen Arrest antritt. Eine Strafe im juristischen Sinn ist dies nicht, erläuterte Willeck, eher eine Erziehungsmaßnahme als letztes Mittel vor einer Jugendstrafe.

Beim Rundgang konnte Koch die jugendlichen Arrestanten beim Sport mit Übungsleiter Oliver Stein beobachten. Nicht im Kraftraum, sondern im Hof der JAA, beim Fußballspielen. "Wir haben hier keine "Muckibude" wir spielen Handball, Fußball und Basketball", so Stein. Das Gemeinschaftsgefühl soll gestärkt werden, die Jugendlichen sollen Regeln befolgen. Sport gilt in der JAA als Baustein zur Integration. Ob es eine Vernetzung mit Sportvereinen gebe, wo die Jugendlichen nach ihrem Aufenthalt weiter trainieren können, wollte Koch wissen. Noch nicht, so Witteck, doch in der kommenden Woche werde man diese Vernetzung mit dem Vorsitzenden des Landessportbundes besprechen.

Kochs Frage, ob die Jugendlichen beim Arrestantritt auf Drogen untersucht werden, verneinte Dienststellenleiterin Simone Schüler: "Dann müssten wir einige wieder heimschicken." Im Knast selbst gibt es nach Einschätzung eines 18-Jährigen aus Nordhessen keine Drogen. Der Jugendliche muss vier Wochen in der JAA einsitzen, danach will er eine Entgiftung und eine Therapie machen. Aber nicht die Drogen haben ihm den unfreiwilligen Aufenthalt In Friedberg eingebracht. Verurteilt wurde er wegen Sachbeschädigung und räuberischer Erpressung, sollte Arbeitsstunden ableisten und trat wie viele andere verurteilte Jugendliche diesen Dienst nicht an. "Die Hälfte ist hier, weil sie keine Arbeitsstunden geleistet haben", so der 18-Jihrige.

"Der Knast bringt was, das schreckt ab", sagte ein anderer Jugendlicher in der Holzwerkstatt im Gespräch mit dem Ministerpräsidenten. "Die Arbeitsstunden nimmt eh keiner ernst". Schärfere Strafen seien richtig, so die Ansicht des 20-Jährigen, der zu schnell und ohne Führerschein mit dem Motorroller unterwegs war und schon mehrfach dabei erwischt wurde. "Jetzt hab ich daraus gelernt."

Der Aufenthalt in der JAA werde bei dann Insassen als "unterste Schublade" angesehen, sagte Witteck.: "Für die Jugendlichen ist es gar nicht cool, hier zu sein. "Was auch damit zusammenhänge, dass man keinen "gehobenen Jugendherbergsaufenthalt" anbiete. "Eine Strafe muss sich vom normalen Leben unterscheiden", unterstrich Ministerpräsident Koch. "Und der strafende Effekt beginnt beim Freiheitsentzug."

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